Wagner klagt: "DLV schweigt und sitzt das Problem aus!"

(Melsungen, 15. März 2015) Fortsetzung von gestern, dritter und folglich letzter Teil der Trilogie.
Auch Mädchen gefährden permanent ihre Gesundheit, wenn sie appetitzügelnde Hormone zu sich nehmen, um sich im Aussehen einem Model anzupassen. Dies kann zu Aggressionen bis hin zu Wahnvorstellungen führen. Abschreckend wirkt auch der Hinweis, dass Mädchen und Frauen bei der Einnahme von Anabolika männlicher werden. Dabei können sich ihre Busen zurückbilden und die Haare bis zur Glatze ausfallen. Wenn dann noch mein Hinweis kommt, dass Barthaare wachsen und auch der Kehlkopf, so dass sie eine tiefe Stimme bekommen, gibt es von allen Zuhörern Kopfschütteln und nur abfällige Bemerkungen.

Haarsträubende Untersuchungsergebnisse

Dass aber Jugendliche sehr stark gefährdet sind, beweist das Ergebnis folgender Untersuchung, wo ihnen folgende zwei Fragen gestellt worden sind:
1.) Ich gebe dir eine die Leistung steigernde Substanz, die auf der Dopingliste steht und verspreche dir viele Siege. Außerdem garantiere ich dir, dass du nicht entdeckt wirst. Würdest du diese Substanz einnehmen?
98 Prozent der Jugendlichen antworteten mit „Ja“.

Noch interessanter ist das Ergebnis der zweiten Frage:
2.) Ich biete dir ein leistungssteigerndes Präparat an, das ebenfalls auf der Dopingliste steht, und du wirst in den nächsten fünf Jahren alle Wettkämpfe gewinnen. Allerdings wirst du mit etwa 30 Jahren an den Nebenwirkungen dieser Substanz sterben. Würdest du trotzdem diese Substanz einnehmen?
Mehr als 50 Prozent sagten „Ja“!

Keine Aufklärung über die Risiken

Als ich an den Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften teilnahm, wurde ich nie gewissenhaft über die Risiken und Nebenwirkungen von Doping informiert und schon gar nicht aufgeklärt. Wenn man danach fragte, wurde alles verharmlost oder ganz verschwiegen. Heute sind sich die Doper darüber im Klaren, dass sie mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit irreparable Schäden davontragen werden. Sie nehmen bewusst in Kauf, dass sie am Ende ihrer Karriere einen teilweise zerstörten Körper haben und einige der durch Nebenwirkungen entstandenen Beeinträchtigungen unter Umständen bis zum – frühzeitiger herbei geführten – Lebensende fortbestehen. Manchmal kommt es noch Jahre später zu schweren gesundheitlichen Folgeschäden. Aber Dopingsünder lassen sich nicht belehren. Sie sind nicht
einsichtig, weil sie der Meinung sind, sie wären den Dopingfahndern mindestens einen Schritt voraus. So kommt es vor, dass erst zehn Jahre später, wenn die alten Proben erneut auf Doping untersucht werden, positive Ergebnisse herauskommen. Der Athlet wird dann disqualifiziert und der nächste rückt nach. Aber der wurde damals nicht kontrolliert.
Es wäre zu begrüßen, dass eine wissenschaftliche Studie über die Doping-Opfer in der damaligen Bundesrepublik Deutschland (BRD) erstellt wird. Allein in meinem Bekanntenkreis sind viele Athleten an Krebs oder Herzleiden erkrankt oder bereits an dieser heimtückischen Krankheit sowie an plötzlichem Herzversagen verstorben.
Als Prof. Helmut Digel, der frühere DLV-Präsident, auf die Sportsysteme der DDR und der BRD angesprochen wurde, antwortete er zutreffend: “In der DDR wurde systematisch und menschenverachtend gedopt, in der Bundesrepublik war es menschenverachtend.”

Allgemeiner Appell zur Aufarbeitung 

Ich appelliere an meine Kollegen von damals, von denen ich weiß, dass sie gedopt oder von der Dopingproblematik gewusst haben, dass sie endlich die Wahrheit sagen und zu der Dopingvergangenheit stehen. Wir müssen diese Dopingvergangenheit in der BRD aufarbeiten und unsere Kinder und Enkel davor warnen. Gebt endlich zu, dass gelogen, betrogen, manipuliert und geschwiegen wurde! Auch die Politiker und Funktionäre könnten zur Aufklärung der bundesdeutschen Dopingvergangenheit beitragen. Vor allem Professor Dr. Armin Klümper.
Aber selbst nach meinen Interviews im Fernsehen und in vielen Presseorganen gab es  keine Reaktion vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV). Die Zeiten haben sich nicht verändert. Wie schon vor 35 Jahren ist Schweigen angesagt und damit auch ein Aussitzen dieses Problems. Dort wird einfach gewartet, bis sich die Empörung in der Öffentlichkeit gelegt hat und Gras über die Sache gewachsen ist.