Ein Haufen "toller Hunde" entwickelte Zusammengehörigkeitsgefühl

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(Krefeld/Latsch, 20. April 2015) Wer kann schon im fortgeschrittenen Alter zwischen 53 und 70 Jahren, von einer Kegeltour mit Besäufnis bis der Arzt kommt einmal abgesehen, auf die Erfahrung eines intensiven Gemeinschaftserlebnisses über die Dauer von einer Woche zurückgreifen? Obendrein eines nahezu per Zufallsgenerator zusammen gewürfelten Haufens „toller Hunde“, der sich bestenfalls von Wettkämpfen mehr oder weniger flüchtig „kannte“. Manchmal auch nur vom Namen. Ein unschätzbarer Vorteil: es handelte sich ausnahmslos um Werfer, die von Gemüt und Geblüt alle irgendwie gleich oder zumindest sehr ähnlich ticken, sich gemeinhin auf Anhieb verstehen. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Eine Woche, wenngleich feudal im Hotel Tanja Sonnenhof in der Kugelgasse, welch launige Fügung, von Latsch in Südtirol „kaserniert“ zu sein, gemeinsam neben Frühstück und Abendessen zwischendrin noch täglich zwei Trainingseinheiten zu je 2,5 bis drei Stunden zu absolvieren, ist dann freilich noch mal eine andere Hausnummer.
Schicken wir es voraus, dass sich die achtköpfige Gruppe plus des Mannes mit Zuckerbrot und Peitsche, Alwin J(osef). Wagner, prächtig verstanden und prima miteinander harmoniert hat. Trotz der breiten Altersstruktur und des nicht allein daraus resultierenden unterschiedlichen Leistungsvermögens. Nicht alles vermögen da schwerere/leichtere Gerätegewichte auszugleichen. Ein drei Kilogramm schwerer Medizinball, Farbe blau, wiegt nun einmal für jeden drei Kilo. Egal, ob er selber 88 oder 133 Kilo auf die Waage bringt. Ersteres gehört zu Herbert Mussinghoff (M65), letzteres zu unserem Koloss aus Thüringen, Uwe Heimrich (M55).

Medizinball spielte eine zentrale Rolle

Und wie schon im Beitrag „Kleiner Zwischenfall überschattete den Trainingsauftakt“ vom 14. April 2015 erwähnt, sollte der Medizinball auch im weiteren Verlauf eine zentrale Rolle zur Mehrung der allgemeinen Fitness, Koordination und Beweglichkeit spielen. Geradezu verblüffend, wie viele verschiedene, sich bei insgesamt acht Trainingseinheiten kaum wiederholende Übungen unser „Quälix II“ auf seiner kunterbunten Palette hatte. Dabei bestand unserer Truppe schließlich nicht aus heurigen Hasen. Allerdings sind die meisten seit Eintritt in den Seniorenbereich Autodidakten wider Willen, wandeln mehr schlecht als recht auf ausgetretenen, alt her gebrachten Pfaden irgendwie vor sich hin. Erschwerend kommt häufig noch hinzu, im heimatlichen Verein keinen Trainingspartner aus dem eigenen Beritt an seiner Seite zu haben.
Selbst beim Krafttraining kamen Elemente aufs Tapet, die für den einen oder anderen gänzlich neu oder schon wieder in Vergessenheit geraten waren. Der einhellige Tenor war schlussendlich, viele Impulse und Anregungen für seine künftige Trainingsgestaltung mitgenommen zu haben und vor allem fortan beherzigen zu wollen. Bereits in den paar Tagen waren Fortschritte bei Standards, wie zum Beispiel Rückwärtsschocken mit der Kugel, zu verzeichnen, obwohl der Akku – welch widersinniges Wortspiel – zunehmend leerer wurde. Denn bei unserem illustren Kreis handelte es sich auch im besten Leistungssportalter ausnahmslos um lupenreine Amateure, die nach Feierabend bestenfalls drei-, viermal wöchentlich trainiert haben. Für die Mehrheit von uns war ein Trainingsaufenthalt absolutes Neuland oder lag „Lichtjahre“ zurück. Beispielsweise bei mir, das weiß ich ganz genau, 1980 mit  Bayer Uerdingen unter Leitung der Trainer-Legenden Norbert Pixken und Manfred Knickenberg.

Unmögliches wird sofort erledigt, Wunder dauern etwas länger

Da bei uns genötigten Alleinunterhaltern allenthalben die Mechanisierung der Fehler gepflegt wird, stand selbstverständlich die allmorgendliche (Wieder-)Erlernung oder Verbesserung der Technik mit Kugel und Diskus auf dem prall gefüllten Stundenplan. Ein ausgesprochener Glücksfall, dafür mit Alwin nicht nur einen ehemaligen Weltklasse-Diskuswerfer, sondern zudem langjährigen ehemaligen hessischen Landestrainer und aktuellen Coach der Leichtathleten aus Melsungen zur Verfügung gehabt zu haben, der nach jedem Versuch entsprechende Korrekturen vornahm sowie Tipps und Hinweise gab. Natürlich konnte nicht alles auf Anhieb umgesetzt werden. Aber eben doch manches. Allemal hilfreich, dass die Schwachstellen postwendend mit zwei geschulten Augen analysiert wurden und sie hoffentlich irgendwann in naher Zukunft abgestellt werden können. Es wird interessant sein, den Saisonverlauf der acht Probanden zu verfolgen. Wunder sind allerdings von jetzt auf gleich nicht zu erwarten. Letztlich kann die starke, ungewohnte Beanspruchung nicht mit der Bekleidung abgelegt werden und muss erst durch den Übergang in den normalen Rhythmus allmählich sacken.

Petrus, Platzmeister Dieter Kofler und Hotel sorgen für Wohlfühlambiente

Bleiben noch einige nicht unwesentliche Begleitumstände zu erwähnen. Wenn Engel, und sei es mit einem B davor, reisen, pflegt gewöhnlich auch der vermeintliche Wettergott Petrus mitzuspielen. Tat er dann auch. Bis auf ein bisschen Nieselregen am Freitagvormittag schaute die Sonne bei Temperaturen bis zu 25 Grad im Schatten unseren munteren, schweißtreibenden Aktionen strahlend lächelnd zu. Ein Kleinod für die sehr sportive Marktgemeinde Latsch, in der sich vor allem Spitzenleichtathleten aus der Schweiz, Österreich und Deutschland (unter anderem vom 28. April bis 12. Mai 2015 Kugelstoß-Doppelweltmeister David Storl mit seinem Heim- und Bundestrainer Sven Lang) die Klinke in die Hand geben, ist Platzmeister Dieter Kofler, der unsere Wünsche erfüllte, ehe wir sie überhaupt geäußert hatten. Und zu guter Letzt darf unser Domizil auf Zeit, die gemütliche, im Südtiroler Stil eingerichtete Athletenherberge nicht vergessen werden. Hotelier Hans Tappeiner und seine älteste von drei Töchtern, Tanja, vermittelten mit ihrem verbindlichen, aufgeschlossenen Wesen ausgesprochenes Wohlfühlambiente. Den Rest besorgten erlesene Speisen sowie Getränke aus Küche, Keller und Zapfhahn. Wo Storl satt wird, reichte es für uns allemal.
Da an dieser Stelle schon ziemlich viel Blei, um die gute alte Zeitungssprache herkömmlicher Gutenberg’schen Druckkunst zu verwenden, geflossen ist, heben wir uns den krönenden Abschluss für den morgigen Beitrag im Fenster „Ergebnisse“ auf. Den bildete Samstag ein vierstündiger Spezial-Mehrkampf unter Wettkampfbedingungen mit geselligem Ausklang bei abendlicher Siegerehrung mit ein paar Gläsern Gerstenkaltschale.