Organisatoren der Senioren-DM boten meisterschaftswürdigen Rahmen

(Krefeld/Zittau, 14. Juli 2015) Kurz und knackig haben wir in der Kolumne „Das späte Wort am Sonntag“ herausgestellt, dass die Gastgeber LV Sachsen und HSG Turbine Zittau als vielfach erprobtes und bewährtes Doppel blitzsaubere, meisterschaftswürdige Voraussetzungen in jeglicher Hinsicht für die Senioren-DM geschaffen haben (O-Ton: Extraklasse). Aus dem zweifachen Blickwinkel eines kugelstoßenden Sportjournalisten soll es indes bei dieser durchaus schmückenden, aber vergleichsweise lapidar anmutenden Bewertung nicht bleiben. Alle Wettkampf-Anlagen befanden sich in einem hervorragenden Zustand. Und da wo es durch Gebrauchsspuren nötig wurde, ist an den drei Tagen ständig nachgebessert worden. Mitunter konnte der Eindruck gewonnen werden, dass der verantwortliche Platzmeister, ein angehender Mediziner, den Feinschliff notfalls mit seinem künftigen Handwerkszeug, dem Skalpell, vornahm. Bei allem, wirklich allem wurde die Liebe zum Detail sichtbar. Da wurde es nicht einmal als störend und isolierend empfunden, dass Kugelstoßen, Speer- und Hammerwerfen bei der Vielzahl der Altersklassen von M/W35 bis endlos auf dem nahen Wurfplatz durchgeführt werden mussten. Die von Bäumen umsäumte Anlage bot Wohlfühlatmosphäre und spendete, je nach Tageszeit, bei propperen Temperaturen bis zu 27 Grad im Schatten eben den Schatten, den die Diskuswerfer/innen im Stadion mitnichten hatten. Aber selbstverständlich fanden auch sie optisch wie technisch hervorragenden Bedingungen vor. Der Mensch ist nun einmal visuell veranlagt und gesteuert. Selbst beim Speisen isst das Auge bekanntlich mit. 
Das ist zugleich die eigene Steilvorlage für zwei weitere Punkte. Mit einem flaggengeschmückten Weinauparkstadion und einer kleinen, multifunktionalen Zeltstadt im nahegelegenen Außenbereich unmittelbar hinter dem Ziel und Kurvensegment der 400-m-Rundbahn war auch das Gesamtbild eine Festival für die Sinne. Auch jener aus der Abteilung Geschmacksknospen kam nicht zu kurz. Das Catering ließ, so man(n)/frau keine aberwitzigen Anforderungen stellte, die auf einem Sportplatz eh nicht erfüllbar sind, bis hin zu einer täglich frisch zubereiteten warmen Mahlzeit keine Wünsche offen. Den Offiziellen des Bundesausschuss’ Senioren mit Frontfrau und „Saar-Perle“ Margit Jungmann aus Rehlingen an der Spitze mundete es offenbar auch. Das war sogar in ihrem nach allen Unterseiten offenen VIP-Zeltchen, mehr so ein Baldachin, gelegentlich öffentlich zu bestaunen. Wobei jetzt nicht behauptet werden soll, dass sie vor lauter Begeisterung hörbar geschmatzt hätten. Benehmen ist nicht immer nur Glücksache.

Ein kompetentes Kompetenz-Team

Allerdings wäre der beste Rahmen wertlos, wenn der Inhalt dem nicht hätte Stand halten können. Hat er aber. Die vielen Kampfrichter und Helfer, 215 an der Zahl, waren kompetent, freundlich und zuvorkommend. Die abgenommenen eigenen Geräte waren pünktlich 30 Minuten vor Wettkampfbeginn am Ort des Geschehens. Das habe ich schon anders erlebt, wo meine „Fünfer“ nicht in meiner Altersklasse (damals M 65), sondern 2009 in Vaterstetten bei der M60 gelandet war. Ein Irrtum war in Zittau ausgeschlossen. Die leider dadurch immer „schwerer“ werdende Kugel (jetzt eine Vierer), wurde gleich an zwei Rundungen mit der Startnummer und Altersklasse M70 versehen. Faszinierend, mit welcher Akkuratesse der Gerätekontrolleur das mit ziemlich dickem schwarzem Filzstift auf das nun mal kreisrunde Eisen gezeichnet hat. Fast schon ein Kunstwerk. Allerdings werde ich die sündhaft teure Edelstahlkugel trotzdem weiterhin einsetzen. Für das Einstoßen/-werfen wurde eingedenk der pünktlichen Anlieferung der Gerätschaften genügend Zeit eingeräumt. Jedenfalls weit mehr, als die manchmal üblichen zwei Versuche. Andererseits wurde sich nicht sturheil an den Zeitplan gehalten, wurde bei kleineren Feldern auf Wunsch der Aktiven eher mit dem Wettbewerb begonnen.
Einen kleinen Wermutstropfen gab es dann doch im ansonsten randvollen Freudenbecher. Für die nun einmal unerlässliche Befestigung der zwei Startnummern, je eine vorne und hinten auf dem Trikot, wurden einem im Wettkampf-Büro des Funktionsgebäudes 100 Cent, für Langsamrechner 1 €, abgeknöpft. Das war beim Kassensturz am Sonntagnachmittag vermutlich der größte Aktivposten in der Bilanz. Dagegen wurde, vermutlich gesponsert von einem Getränkehersteller, das Mineralwasser mit oder ohne Kohlensäure an einem Extrastand kostenlos ausgeschenkt. Sicherlich nicht nur meinerseits wurde daraus ein Kompensationsgeschäft zum eigenen Vorteil gemacht.
Ein Männlein steht im Walde, ganz stumm und still. An dieses Kinderlied von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben musste ich unvermittelt denken, als ich jenen Anti-Doping-Aufklärer des DLV (bekanntlich sind aufgrund einer früheren Aussage von Verbandspräsident Clemens Prokop 50 Prozent aller Senioren gedopt) einsam, alleine und permanent beschäftigungslos mit gesenktem Haupt vor einem Buch sitzen sah. Vermutlich hat er an drei Tagen noch nie soviel gelesen. Aber Lesen bildet. War zumindest für ihn das Unternehmen also nicht für die Katz’.
Obwohl es als Drohgebärde eine entsprechende Türe mit der Aufschrift Anti-Dopingkontrolle gab, ist bislang von durchgeführten Kontrollen nichts ruchbar geworden. Dass der DLV aufgrund permanent klammer Finanzlage bei Senioren/innen ebensolche nicht mehr durchführt, wurde von der Leiterin Wettkampf-Organisation, Gisela Stecher, auf meine diesbezügliche Intervention hin vehement bestritten. Dass sie so reagieren musste, ist nachvollziehbar. Ob es stimmt, ist indes eine andere Sache. Aus den Fingern haben wir uns das jedenfalls nicht gesaugt, wurde uns aus gemeinhin gut informierter Quelle zugezwitschert...