Sportlerwahl: Diskuswurf-Überflieger Robert Harting schafft den Hattrick

(Baden-Baden/Krefeld, 22. Dezember 2014) Selten zuvor habe ich mich über eine Prognose, wie in diesem konkreten Falles meines am Gesamtergebnis beteiligten eigenen Online-Stimmzettels, so gerne geirrt. Offensichtlich war Diskuswurf-Allesgewinner Robert Harting vom SCC Berlin selber überrascht, dass er am späten gestrigen Abend vor 700 geladenen illustren Gästen, darunter IOC-Präsident Thomas Bach, im Kurhaus Baden-Baden unter live mitlaufenden Kameras des ZDF zum dritten Mal in Serie zum „Sportler des Jahres“ gekürt wurde und sich dabei gegen die geballte olympische Gold-Konkurrenz von Sotschi durchsetzte. Dabei konnte der 30-jährige in dieser Saison „nur“ Europameister werden. Vermutlich wurde bei vielen Journalisten-Kollegen honoriert, dass der Berliner seit Jahren auf konstant hohem Niveau die Szene in den alles entscheidenden Momenten beherrscht und seit 2009 sechs internationale Großereignisse (2009, 2011 und 2013 dreimal hintereinander Weltmeister, Olympiasieger 2012, Europameister 2012 und 14) für sich entschied. Dem 2,01-m-Hünen schien es fast ein bisschen peinlich zu sein, dass er mit 2.100 Abstimmungspunkten knappr vor Kombinierer Eric Frenzel (2.055) und deutlich vor Rennrodler Felix Loch (1.467) landete. Die Punktzahlen kannte er allerdings zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Dass Frenzel unter Sportlern selber zum "Champion des Jahres" gewählt worden war, dürfte er freilich gewusst haben. Vielleicht war seine Stimme auch dabei.
Ob es daran und an dem für ihn unerwarteten neuerlichen Votum lag, dass der ansonsten kesse Berliner mit „der frechen Schnauze“ im Gespräch mit dem gewohnt steifen Moderatoren-Duo Kathrin Müller-Hohenstein (sie glänzte vor allem durch ihr silberfarbenes Abendkleid) und Rudi Cerne ein wenig gehemmt wirkte? Sichtlich bewegt war er, dass ihm seine Oma aus dem Spreewald die goldene Skulptur überreichte. Harting ist bei den Männern der erste deutsche Sportler, der den Hattrick schaffte. Tennis-Ikone Stefanie „Steffi“ Graf war dies bei den Frauen von 1986 bis '89 sogar viermal hintereinander gelungen.
Keine Überraschung war dagegen die Wahl zur Mannschaft des Jahres. Das weltmeisterliche Fußball-Nationalteam von Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw gewann mit Riesenvorsprung (formidable 4.660 von maximal 6.000 möglichen Punkten) vor dem goldenen Skisprung-Team (1.843) und der Volleyball-Nationalmannschaft (1.115). Ein ausnahmslos mit Gold von den Olympischen Winterspielen dekoriertes Trio präsentierte sich bei den Frauen auf den drei ersten Plätzen mit der zurück getretenen Skirennläuferin Maria Höfl-Riesch (3.147), Rennrodlerin Natalie Geisenberger (1.830) und Skispringerin Carina Vogt (1.782). Fünfte wurde die mit dem Sparkassen-Ehrenpreis ausgezeichnete 3.000-m-Hindernisläuferin und Europameisterin Antje Möldner-Schmidt (944).
Sei noch erwähnt dass die Kugelstoßer/in Christian Schwanitz (525) und David Storl (674) jeweils den zehnten Platz belegten. Erwartungsgemäß keine große Rolle in der Gunst der sich an der Wahl beteiligenden rund 1.200 von etwa 3.400 berufsständisch organisierten Sportjournalisten von Print, Funk und Fernsehen spielten die Fußballer bei den Einzelsportlern. Torwart-"Libero" Manuel Neuer (345) wurde 13., direkt hinter ihm rangierte Mittelfeld-Regisseur Bastian Schweinsteiger (197).