Stabhochspringer Wolfgang Ritte stellte seinen 39. Weltrekord auf

(Fürth/Krefeld, 19. Januar 2015) Nun ist das Jahr eins nach Chef-Organisator Dieter Krumm auch schon wieder Geschichte. Das traditionelle Senioren-Hallensportfest des LAC Quelle Fürth erlebte vergangenen Samstag seine 26. Auflage. Selber war er weder als Teilnehmer, noch Zuschauer vor Ort, nahm statt dessen eine Einladung von Freunden ins Rheinland wahr. Ob sich seine Wege mit der von daher anreisenden nahezu kompletten „Ritte-Air“ kreuzten, ist nicht überliefert. Eines allerdings schon: Der einst umtriebige Macher, Denker und Lenker dieses Dauerbrenners der Meetings für die „ewigen Talente“ der Leichtathletik-Szene verpasste einen neuen Hallen-Weltrekord vom Sergey Bubka unter den Stabhochspringern im fortgeschrittenen Leistungssportalter. Das traue ich mich bei ihm freilich kaum so zu formulieren. Denn der nicht auf den Glasfieberstab zu reduzierende Wolfgang Ritte (*1953) vom SC Bayer 05 Uerdingen, der auch den Zehnkampf-Weltrekord hält, setzt seit gut zwei Jahrzehnten die Biologie mit schöner Regelmäßigkeit gewissermaßen außer Kraft. Beweis gefällig? Bitte schön! Der 62-jährige Niederrheiner steigerte im dritten Jahr der Zugehörigkeit zur M60 seinen eigenen Hallen-Weltrekord (4,13 m) von der DM 2014 in Erfurt um zwei Zentimeter auf 4,15 Meter. Es war klassenübergreifend sein 39. (in Worten: neununddreißig) Weltrekord in dieser Spezialdisziplin, Halle und Freiluft zusammen gerechnet.
Das dürfte seinesgleichen suchen. Oder bietet jemand mehr? Wohl gemerkt in ein und demselben Wettbewerb. Da kommt auch „Alles (Guido) Müller, oder was?“ nicht mit. Der war übrigens auch da, stellte keinen Weltrekord auf, und hätte dem Mann mit den verpflichtenden Initialen WR (=Weltrekord) persönlich gratulieren können. Hat er vielleicht auch, was sich unserer Kenntnis aus der Fernsicht und Berichterstattung mittels der sehr krausen, völlig unzumutbaren Online-Ergebnisliste entzieht. Noch hatte ich nicht die Gelegenheit, mich mit meinem Klubkameraden zu unterhalten. Deshalb bin ich auch noch ein wenig erstaunt, dass er von seiner ansonsten gepflegten Salami-Taktik abrückte, die Steigerungsraten scheibchenweise vorzunehmen. Denn nach jenen 4,15 Meter (siehe Video), die er wie alle anderen Versuche zuvor über 3,50, 3,80 und 4,00 Meter im ersten Versuch nahm, ließ er die Latte gleich auf 4,20 Meter legen, scheiterte daran dreimal. Ungeachtet dessen herrscht bei ihm vermutlich mittlerweile die Erkenntnis vor, dass ein „Sahnetag“ auszureizen ist, nicht wissend, ob er irgendwann wiederkommt. Doch bei ihm bin ich mir ziemlich sicher. Er ist so ganz „nebenbei“ auch ein ungekrönter Meister der gezielten Vorbereitung, ist garantiert am 17.Januar noch nicht in Höchstform. Die hebt er sich für die DM (Erfurt) und EM (Torun) unter dem Hallendach auf. Wetten, dass…
Eingedenk der schon geschilderten Unzulänglichkeiten überlassen wir es dem Langmut und der Findigkeit der Statistik-Freunde, sich durch die hier verlinkten Resultate zu wurschteln. Ein halbwegs gezielter, direkter Zugriff ist schier unmöglich. Da heißt es Augen auf und durch, was ich mir erspart habe. Hoffentlich ist mir kein Knaller im Kugelstoßen durch die Lappen gegangen. Aber im Zweifelsfalle wird mich sicherlich irgendwer darüber informieren.

Anmerkung: Diesen für das Fenster "Ergebnisse" gedachten Beitrag stellen wir wegen des höheren Zugriffes zunächst in die unsere Seite aufmachende Nachrichten-Rubrik.

Leidige Trikotfrage: Regel 143 IWR lässt sich anders interpretieren

Kolumne

Das Wort am Sonntag

(Mainz/Krefeld, 18. Januar 2015)
Es bleibt spannend und wird ständig neu befeuert.Wie schon in mehreren Veröffentlichungen beschrieben und erwähnt, berufen sich die internationalen Seniorenverbände European Masters Athletics (EMA, zuvor EVAA) und World Masters Athletics (WMA) in der Trikotfrage auf Abschnitt 143, Absatz 1 der Internationalen Wettkampfregeln (IWR), in dem es auf Seite 129 ff der Ausgabe von 2014 heißt: "Wettkämpfer, die...ihren Nationalen Verband repräsentierten, müssen die einheitliche und zugelassene Kleidung ihres Nationalen Dachverbands tragen.“ Das ist schwerlich zu bestreiten. Es empfiehlt sich allerdings auf die Feinheiten zu achten. Als da wären: IHREN NATIONALEN VERBAND bei Wettkampfveranstaltungen gemäß Regel 1.1 und folgende bei Internationalen Veranstaltungen (Olympische Spiele, Europa- und Weltmeisterschaften, Einladungssportfeste et cetera; die Redaktion) repräsentieren.
Meine Interpretation dazu: Bei allen Wettkämpfen nach dieser Regel melden sich die Teilnehmer/innen nicht PRIVAT zu einer internationalen Veranstaltung an! Nach meiner Kenntnis werden alle von einem/ihrem Verband nominiert und gemeldet oder sie werden persönlich eingeladen. Diesen Athleten entstehen natürlich keine Kosten jeglicher Art – dazu gehört selbstverständlich ein einheitliches Trikot, das vom Verband gestellt werden muss. Schließlich vertritt und repräsentiert man ja sein LAND (hier Deutschland)!
Die Senioren/innen werden jedoch weder vom Verband (hier DLV), noch von ihrem Verein zu den internationalen Wettkampfveranstaltungen (EM/WM) entsendet, sie vertreten ausschließlich ihre eigene Interessen (gleichwohl schmückt sich der DLV mit einem Medaillenspiegel). Deshalb belasten auch alle Kosten, einschließlich der „offiziösen“ Bekleidung, den privaten Geldbeutel. Es wäre zwar durchaus wünschenswert, wenn alle in einheitlicher Kleidung anträten, sähe ja auch chic(er) aus. Wenn jedoch der Verband (DLV) meint, dass „seine“ Senioren/innen das Land (Deutschland oder nach neuerer Unsitte GERMANY) repräsentieren sollen/sollten, dann müssen auch die Trikots zur Verfügung gestellt werden...Genau so wie bei den Aktiven nach der oben genannten Regel (obwohl nicht nachahmenswert, könnte dann auch mal ein Nationaltrikot ohne finanziellen Schaden zerrissen, bei Germany verrissen werden!).
Kurzum: Niemand kann einem Athleten, einer Athletin im fortgeschrittenen Leistungssportalter ab M/W35 vorschreiben, dass bei einer privaten Teilnahme im Ausland (WM/EM) die gleichen Vorschriften gelten wie nach der Regel 143 IWR. Wenn die Senioren/innen bei einer WM/EM mit einem „Nationaltrikot“ starten, dann entspringt das ihrem guten Willen, dass sie diese Kosten (zusätzlich zu allen anderen erheblichen „Nebengeräuschen“) aus eigener Tasche bezahlen. Einen Druck oder Zwang mit der Androhung einer Disqualifikation auszuüben halte ich für außerordentlich bedenklich. Wenn die anderen Nationen nach Lesart des DLV angeblich nichts mit DEUTSCHLAND anfangen können, dann wird es allerhöchste Zeit, dass sie es lernen. Letztendlich „verdeutschen“ die US-Amerikaner und andere auch nicht ihr gelobtes Land, damit wir sie besser identifizieren können.
Übrigens: So schon auf internationale Regeln abgestellt wird, müsste auch endlich mit der Unterscheidung bei Rekorden aufgeräumt werden. National gilt hier zu Lande das Jahr der Vollendung in der neuen Altersklasse, international muss – was auch nachvollziehbar und logisch ist – bereits vollendet sein.
In diesem Sinne noch einen schönen Sonntag und eine schaffensreiche 4. Kalenderwoche im nicht mehr ganz so neuen Jahr 2015!

Fußnote der Redaktion: Heinz Engels (*1934), vielen bekannt als Speerwerfer vom USC Mainz und angesehener Videofilmer, hat den obigen Beitrag in ähnlicher Form in Absprache mit Lampis zur größeren Verbreitung auch im Leichtathletikforum des Lübecker Wurftrainers Uwe Mundt veröffentlicht. Wer sich be- und gerufen fühlt, kann ihn herzlich gerne in weitere soziale Netzwerke schwappen lassen.

 

 

Hochdosierte Kombination von Vitamin C+E für Sportler eher schädlich

(Oslo/Krefeld, 17. Januar 2015) Es ist häufig der Glaube daran, der vermeintlich Berge versetzt. Sportler haben meist irgendwelche Rituale, nehmen gerne mal so genannte (erlaubte) Nahrungsergänzungsmittel. Die werbende einschlägige Industrie und selbst die „Rentner-Bravo“ (Apotheken Umschau) suggeriert uns willfährigen Konsumenten beinahe täglich, dass die normale Nahrung längst nicht ausreicht, um den Tagesbedarf an diesem und jenem zu decken. Erst recht nicht bei Personen, die im Beruf oder bei der herrlichsten Nebensache der Welt körperliche Höchstleistungen zu verbringen haben. Solange es zwar nicht wirklich nützt, aber andererseits auch nicht schadet, dies oder das einzuwerfen, belastet es allein den Geldbeutel und nicht die Gesundheit. Nun kommt jedoch der norwegische Sportmediziner Goran Paulsen mit einer wissenschaftlichen Studie an einem Team von Probanden der Sporthochschule Oslo um die Ecke. Auf einen ganz kurzen Nenner gebracht können Vitaminpräparate bei Sportlern Schaden anrichten. Hochdosierte Kombinationen von Vitamin C und E bewirken sogar insbesondere bei Kraftsportlern, wozu die Werfer als Schwerathleten unter den Leichtathleten zu rechnen sind, genau das ungewollte Gegenteil. Sie verschlechtern die für das Muskelwachstum wichtige Proteinsynthese. Aber auch Ausdauerathleten sind davon betroffen. Paulsen kommt zu dem Schluss, dass bei vernünftiger, ausgewogener und gezielter sportgerechter Ernährung zusätzliche antioxidative Vitaminpräparate eine eher schädliche Wirkung hervorrufen.
Mehr dazu unter diesem Link. Der Beitrag steht leider nur in englischer Sprache zur Verfügung.

Sportjournalist Gustav Schwenk im Alter von 91 Jahren verstorben

(Düsseldorf/Krefeld, 17. Januar 2015) Sein Leben war die Leichtathletik. So beginnt die Rheinische Post Düsseldorf in der heutigen Ausgabe im Hauptsport ihren Nachruf auf den im Alter von 91 Jahren verstorbenen Freien Sportjournalisten Gustav Schwenk aus Düsseldorf. „Der eiserne Gustav“ war über Jahrzehnte bis ins hohe Alter hinein einer der führenden Fachjournalisten in und über Deutschland hinaus. Irgendwer gab ihm irgendwann den schmückenden Beinamen „Erfinder der Leichtathletik“. Mehr lässt sich über seine Kompetenz nicht aussagen. Schwenk, zu dem ich als Jungspund in meinen Anfängen ehrfürchtig aufgeschaut habe und der als ständiger Mitarbeiter der RP Düsseldorf (ich in Krefeld) fast dreißig Jahre mein mittelbarer Kollege gewesen ist, war so etwas wie ein Fleisch gewordener Leichtathletik-Almanach. Ausgestattet mit dem Gedächtnis eines Elefanten und einem Notizbuch angereichert mit allerkleinsten Details. Nicht ganz so berühmt, aber ähnlich legendär wie das des einstigen Fußball-Bundestrainers Sepp Herberger, der 1954 „Das Wunder von Bern“ federführend möglich machte.
Einen ausführlichen Nachruf über „Gus“, so sein journalistisches Kürzel, hat DLV-Ehrenpräsident Theo Rous aus Alpen am Niederrhein für leichtathletik.de verfasst.

Trikot: Eine Replik auf den mangelhaften Erklärungsversuch des DLV

(Darmstadt/Bonn/Krefeld, 16. Januar 2015) Mit Veröffentlichung vom 13. Januar 2015 hat der DLV auf seiner Netzseite nunmehr seine Begründung für das GERMANY auf den Trikots seiner international agierenden Senioren-Athleten nachgeschoben. Offenbar war der Legitimationsdruck doch zu groß, als dass man die Sache einfach so durchwinken konnte.

Gehen wir mal die Punkte im Einzelnen durch:

Die gesamte internationale Kommunikation in der Leichtathletik erfolgt in Englisch

Auch in der Politik und Wirtschaft ist bei Tagungen und Konferenzen die Bezeichnung „Germany“ international üblich

Es ist eine Binsenweisheit, dass Englisch die Weltsprache Nr. 1 ist und Repräsentanten von Staaten, Verbänden und anderen Organisationen in dieser Sprache miteinander kommunizieren. Eine Dokumentation der eigenen Nation auf dem Trikot als Zeichen der inneren und äußeren Identifikation ist jedoch keine Kommunikation. Insofern zielt dieses von der Sache abgehobene Argument am Kern vorbei.

Das internationale Kürzel für Deutschland ist GER

Kommt auf die Perspektive an: Zeigen wir am Flugschalter und wo auch immer im Ausland  u n s e r e Pässe oder Personalausweise, so steht dort BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND und niemand stört sich daran.

In der Leichtathletik setzt sich zunehmend die englische Länderbezeichnung durch

Das ist nach aller Erfahrung bei Internationalen Wettkämpfen von Senioren eine kühne Behauptung, die von Verbänden und Sportlern anderer Nationen und anderer Sportarten in Deutschland nicht geteilt wird und wohl eher einem sich als modern und weltoffen gerierenden Wunschdenken einiger DLV-Funktionäre geschuldet ist.

"Made in Germany“ ist ein internationales Markenzeichen mit entsprechendem internationalen Wiedererkennungswert

Hat zum einen nicht mehr den Ruf von einst und gilt sicherlich nicht mehr für die deutsche Leichtathletik.  Außerdem haben bei der Globalisierung und der damit verbundenen Einwanderung längst nicht mehr alle Athletinnen und Athleten ihren Ursprung und ihre Wurzeln hier zu Lande. Der Beispiele gäbe es auch in der Leichtathletik reichlich. Bei denen trifft das ehemalige Qualitätssiegel "Made in Germany" wahrlich nicht zu. Kleiner Nachhilfericht nach Darmstadt mit der dazu gehörigen Übersetzung: "Hergestellt in Deutschland".

Nicht in allen Ländern ist der Begriff „Deutschland“ bekannt.

Wieder eine gewagte und mit einem Anflug von Arroganz angereicherte Behauptung. Wenn dem so wäre, müssten der DFB, der DHB, die Skispringer und viele andere Sportverbände ganz schnell reagieren. Aber manche im DLV wissen es eben besser

Die Länge des Schriftzuges „Deutschland“ auf den Wettkampftrikots, insbesondere in den kleinen Größen, führt zu relativ kleinen Buchstaben und erschwert die Lesbarkeit

Irgendwie peinlich und somit als Argument völlig zu vernachlässigen!


Fazit: 1. Niemand von Seiten internationaler Leichtathletikverbände verlangt vom DLV und seinen Athleten die Verleugnung der eigenen Nation. Es kann also nicht einmal von vorauseilendem Gehorsam die Rede sein.

2. Ein derart mangelhafter Erklärungsversuch zeigt fehlendes Problembewusstsein, Athletenferne und sorglosen Umgang mit unserer Identität, für die auch Sportler einstehen

3. Ein Pauschalurteil gegenüber dem DLV ist fehl am Platze, denn viele seiner Vertreter sehen das alles genauso kritisch.