"Bilaterales Kuhhandelsabkommen" Anhäufung von Ungeheuerlichkeiten

Kolumne

Das Wort am Sonntag

(Krefeld, 11. Januar 2015)
Es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch ans Licht der Sonnen. Früher oder später. Mitunter müssen die Dinge halt nur reifen. Gerade so wie guter Wein. Diese Spätlese mit über zweijähriger Lagerungszeit könnte allerdings noch manch einem sauer aufstoßen. Seit einigen Tagen geistert ein angestaubtes Pamphlet einem Wanderpokal gleich durch den Äther. Warum erst jetzt, wissen nur – um im Bilde zu bleiben – Bacchus, der Gott vergorenen Traubensaftes, und natürlich der Absender. Es darf mehr als gemutmaßt werden, dass eine erklärte Absicht dahinter steckt. Damit es schneller geht, werden wir das Umlaufverfahren via Veröffentlichung erheblich abkürzen. Deshalb, geschätzte Mitglieder, Stammgäste und Gelegenheitsbesucher von Lampis, leset und staunet selber.
Gemeinsame Absichtserklärung
Zur Zusammenarbeit zwischen den Vertretern des DLV in nationalen und internationalen Gremien des Sports und dem Deutschen Leichtathletik-Verband
Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) ist einer der bedeutsamsten und einflussreichsten Fachverbände im deutschen Sport und in den internationalen Fachverbänden.
Der Europäische Senioren Leichtathletik-Verband (EVAA) ist der derzeit anerkannt führende Regionalverband innerhalb der Welt-Masters-Bewegung und hat sich in jüngster Zeit durch Innovation und Fördermaßnahmen zum Wohle des Seniorensports ausgezeichnet, wobei Synergien im Dopingkampf besonders hervorzuheben sind.
Zur Förderung und Entwicklung der nationalen und der internationalen Leichtathletik unterstützt und fördert der Deutsche Leichtathletik-Verband aktiv die Kandidaturen von Vertretern des DLV für die nationalen und internationalen Gremien und macht von seinem Vorschlagsrecht zur Wahl oder zur Berufung Gebrauch.
Der vorgeschlagene DLV-Vertreter versteht sich, soweit es ihm die Aufgaben als Präsident des EVAA erlauben, als Botschafter der deutschen Leichtathletikbewegung. Er verpflichtet sich, unter Wahrung der Interessen des EVAA und dessen Mitglieder, zur Loyalität gegenüber dem Deutschen Leichtathletik-Verband und seinen Vertretern. Er verpflichtet sich zur Zusammenarbeit mit den entsprechenden Fachgremien und dem Präsidium des DLV, aus denen jeweils ein direkter Ansprechpartner benannt wird. Diese Ansprechpartner werden schriftlich benannt. Die Zusammenarbeit ist insbesondere gekennzeichnet durch eine gegenseitige Informationspflicht, soweit Informationen seitens des DLV oder des EVAA im Einzelfall nicht für vertraulich erklärt worden sind.
Der gewählte oder berufene Vertreter informiert den DLV über seinen jeweiligen Ansprechpartner über Beschlüsse des jeweiligen Gremiums, soweit die Informationen seitens des DLV oder des EVAA im Einzelfall nicht für vertraulich erklärt worden sind.
Der gewählte oder berufene Vertreter holt rechtzeitig vor einer Beschlussfassung die Stellungnahme des DLV ein, soweit dieser Beschluss Einfluss auf die direkten Interessen des DLV haben kann (diese Fettschrift wurde von uns gesetzt, die Redaktion). Diese Stellungnahme bringt der Vertreter mit in die Beratung der internationalen Gremien ein, wobei er aber jederzeit zur Ausführung eines Mehrheitsbeschlusses verpflichtet ist.
Der Ansprechpartner des DLV informiert den gewählten oder berufenen Vertreter über die themenbezogenen Ergebnisse der Fachgremien oder des Präsidiums des DLV.
Der DLV eröffnet die Möglichkeit, Themen in die Fachgremien oder das Präsidium einzubringen.
Der DLV lädt bei Bedarf die gewählten und berufenen Vertreter zu den Sitzungen der jeweiligen Fachgremien oder des Präsidiums ein.

Darmstadt / Lausanne, 30.04.2012
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Kurt Kaschke                                                       Dr. Clemens Prokop

Dieses Machwerk spricht für sich und bedarf keiner Kommentierung. Nicht wenige, da schließe ich mich keineswegs feige aus, halten es allerdings aus Sicht der EVAA (jetzt EMA) für „Einen Pakt mit dem Teufel“. Gäbe es nicht eine kleine, aber entscheidende Feinheit, die dieses „bilaterale Kuhhandelsabkommen“ streng genommen null und nichtig machen würde. Und dabei wird es beim Blick auf das Datum dieses Abschlusses äußerst pikant, richtiger: es handelt sich um starken Tobak der Marke ungenießbar. Denn Kurt Kaschke wurde erst rund vier Monate später bei der Generalversammlung des europäischen Senioren-Dachverbandes anlässlich der 18. Stadion-EM vom 16. bis 25. August 2012 im ostsächsischen Zittau als Präsident und Nachfolger von Dieter Massin gewählt, übernahm am Schlusstag der Titelkämpfe offiziell von ihm per symbolischer Stabübergabe die Amtsgeschäfte.
In diesem Sinne trotz einer derartigen Anhäufung von Ungeheuerlichkeiten einen schönen Sonntag und eine energiegeladene neue Woche!

NRW "Open" eröffnen traditionell die Titelkämpfe unter dem Hallendach

(Düsseldorf/Krefeld, 10. Januar 2014) Mittlerweile ist es schon Tradition, dass die Senioren/innen hier zu Lande im neuen Jahr die Saison unter dem Hallendach eröffnen. Rekordverdächtige 586 potenzielle Teilnehmer aus 181 Vereinen haben zu 963 Starts ihre Meldungen für die Offenen Westdeutschen Meisterschaften der ab 30-Jährigen morgen (Beginn 10 Uhr) im Arena-Sportpark in Düsseldorf abgegeben. Und das ohne die erneut ausgegliederten Winterwurf-Wettbewerbe (Diskus, Speer, Hammer), die abermals Mitte November im Sportzentrum Balker Aue in Leichlingen (Bergisches Land) ausgetragen werden. So steht für unsere Spezies der Fraktion Stoß/Wurf lediglich Kugelstoßen auf der Karte. Die fehlende Symbiose zu den anderen Disziplinen, insbesondere das klassische Double mit Diskus, dürfte die Anziehungskraft diese Titelkämpfe wahrzunehmen gesenkt haben.
Das Verhältnis Gemeldete zu Starts unterstreicht, dass sich die meisten zwei Disziplinen gönnen. Es sind letztlich beim in der Halle nicht ganz so schmutzigen Geschäft mit der Kugel 97 Solisten/innen in 21 Klassen. Das ist auf den rechnerischen Durchschnitt gesehen eine dürftige Zahl von unter fünf Startwilligen. Wobei zu berücksichtigen ist, dass die Felder speziell in unteren Jahrgängen traditionell dünn besetzt sind. Ein Novum stellt die W70 dar, wo absolute Fehlanzeige herrscht. Dagegen führt die gleiche Klasse bei den Senioren mit zwölf vor der M60 (10) die Hitliste an.
Neues Jahr, neues Spiel, neues Glück gilt vor allem für jene Nachrücker, deren Wettkampfgerät leichter wird. Stellvertretend sei hier mit Roland Wattenbach (*1955, im Bild) von der LG Siebengebirge ein Kugelstoß-Spezialist der deutsche Spitzenklasse erwähnt, der erstmals den „ewigen Nachwuchs“ der M60 verstärkt. Landläufig gilt die Faustregel, dass ein Kilogramm weniger etwa einen Meter mehr an Weite ausmacht. Danach müsste Roland zwischen 14,50 und 15 Meter stoßen können. Ob jetzt schon, steht auf einem anderen Blatt. Dies hängt nicht zuletzt von den örtlichen Trainingsbedingungen ab, die nicht überall prall sind.

Mit modernem Raubrittertum verdingt sich der DLV als Totengräber

Glosse

Neben der Spur

(Darmstadt/Krefeld, 08. Januar 2015)
Bevor wir im Stile der Verharmlosungsnetzseite des Seniorensprechers völlig sinnfrei die abgestandenen Weihnachts- und Neujahrsgrüße der 20 Landesverbände auflisten, wenden wir uns wichtigeren Themen zu. Das eine ist der durch den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) ausgeübte Zwang, dass EM- und WM-Teilnehmer der Senioren/innen künftig in ein (Kauf-)Trikot mit dem Schriftzug „Germany“ zu schlüpfen haben (Fortsetzung unsererseits folgt), das andere eigentlich nicht unsere originäre Baustelle. Aber nach dem Motto wehret den Anfängen, kann es Morgen schon alle Veranstalter und damit in letzter Konsequenz die Athleten/innen treffen. Die über jeden Zweifel erhabene angesehene „Süddeutsche Zeitung“ berichtet in ihrer Silvester-Ausgabe (mehr dazu unter diesem Link), dass der DLV ab 2016 bei jedem „Finisher“ (so heißt es in seiner Sprache) bei Laufveranstaltungen bis hin zu Volksläufen (!) den Organisatoren zusätzlich einen Euro abknöpfen wird. Das macht beim Berlin-Marathon mal eben einen Extraaufschlag von 40.000 €. Da darf wohl getrost von modernem Raubrittertum gesprochen werden. Der Dachverband muss sehr klamm sein. Und das wird ihn veranlassen, weitere Gemeinheiten auszuhecken. Die sind in ihrem abgehobenen Wolkenkuckucksheim in Darmstadt Lichtjahre von der Basis entfernt, dass sie gar nicht mitbekommen, dass insbesondere Veranstalter von Werfertagen und kleineren Sportfesten finanziell ums nackte Überleben kämpfen. Oft decken nur die Einnahmen aus der von Familien- und Klubmitgliedern gestellten Bewirtung die erklecklichen Ausgaben für das ursächliche Ereignis. Wer als haftender Veranstaltungsleiter oder Verein nach dem Kassensturz schlussendlich mit dem Bauch vor den Tisch gekommen ist, der kann lauthals Hurra und Hosianna schreien. Da hat er allerdings womöglich die Rechnung noch ohne den DLV gemacht, der irgendwann viel später mit einer Nachberechnung von 110 Euro um die Ecke kommt, weil er bei einer Überprüfung entdeckte, dass statt der erlaubten vier, fünf Teilnehmer (ein praktisches, verbrieftes Beispiel) aus anderen Landesverbänden kamen.
Irgendwie muss die Leichtathletik doch kaputt zu kriegen sein. Jahr für Jahr wegbrechende kleinere Sportfeste und Werfertage mit zuvor langjähriger Haltbarkeitsdauer sind der schlagende Beweis. Der eigene Verband als Totengräber. Geht’s noch? Ja! Teure Dienstreisen rund um den Globus für Funktionsträger gehen immer. Die wollen schließlich um jeden Preis (fremd-)finanziert werden. Und sei es auf Teufel komm ’raus. Selbst die blühendste Fantasie wird womöglich in naher Zukunft von der Realität eingeholt. Der Tag wird vermutlich kommen, dass per Videoüberwachung von jedem Trainingsstoß oder -wurf 10 Cent kassiert werden. Gnädig angesetzt.

Torsten Lange hat in der leidigen Trikot-Frage das BMI eingeschaltet

(Darmstadt/Bonn/Berlin/Krefeld, 09. Januar 2015) Leider, leider ist der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) in Darmstadt rechtlich nicht zu packen, dass er international startende Senioren/innen gegen ihren Willen, ihre Überzeugung und ihr Nationalbewusstsein (eine Nation definiert sich nach Schriftsteller und Denker Johann Gottfried Herder durch die Sprache) in ein Trikot mit dem Schriftzug GERMANY zwingen will. Es ist im weitesten Sinne eine Form der Nötigung, doch keine, die nach § 240 Strafgesetzbuch (StGB) rechtsrelevant wäre. Dies setzt, stark vergröbert formuliert, die Ausübung oder zumindest die Androhung von Gewalt voraus. Das ist in diesem Fall fraglos nicht gegeben, wie der einstige langjährige Geschäftsführer des LV Rheinland, Gerhard Paech, durch seinen befreundeten Richter i.R. Harald Meyne prüfen ließ.
Doch aufgeben gibt’s nicht. Nunmehr bedienen wir uns auf Anraten unseres dereinst dem DLV sehr nahe stehenden VIP-Mitgliedes, dem wir selbstverständlich Vertrauensschutz gewähren, der politischen Schiene. Dabei fügt es sich, dass unser gelegentlicher Gastautor und Wurf-Allrounder Torsten Lange (im Bild) aus Bonn als ehemaliges Mitglied des Bundestages (MdB) und dank seiner Parteizugehörigkeit nach wie vor beste Kontakte zur Politik hat. Torsten, der in diesem Zusammenhang den plakativen Begriff der "kulturellen Selbstverleugnung" prägte, schrieb gestern in der leidigen Angelegenheit das Bundesministerium des Innern (BMI) in Berlin an. Er hat uns autorisiert, diesen Brief im Wortlaut zu veröffentlichen. Die An- und Abrede lassen wir weg:
„Als ehemaliges MdB und auch Vertreter im Sportausschuss des Deutschen Bundestages (10. Legislaturperiode) sowie potentieller Teilnehmer an diversen künftigen Europa- und Weltmeisterschaften in der Seniorenleichtathletik, beschäftigt mich im Verbund mit vielen anderen, gleichermaßen betroffenen Sportlern ein Ärgernis, mit dem wir kürzlich konfrontiert wurden. So informierte uns der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) Ende letzten Jahres, dass wir bei internationalen Wettbewerben ein käuflich zu erwerbendes Trikot mit der Aufschrift GERMANY, und nicht wie früher DEUTSCHLAND, zu tragen hätten, anderenfalls drohe eine Disqualifikation.
Uns ist bewusst, dass dies  im engeren Sinne keine Angelegenheit Ihrer Behörde ist. Doch bitte ich in einem Ihrer zuständigen Referate zu prüfen, ob der DLV im Kontext einer Verbindung mit einem staatlichen Hoheitszeichen (Emblem Schwarz-Rot-Gold) auf den Trikots mit der Formulierung des Schriftzuges nach Gutdünken (hier sind es wohl primär kommerzielle Gründe) verfahren kann.
Es sei noch bemerkt, dass es in vielen anderen Sportarten eine Selbstverständlichkeit ist, den Namen des Landes, das man auf internationalem Parkett vertritt, zu tragen. Dies sehen auch die Leichtathletik treibenden Sportkollegen aus anderen europäischen Ländern so und praktizieren es auch dementsprechend. Für eine Stellungnahme Ihres Referates wäre ich Ihnen sehr verbunden und würde diese an meine Sportkollegen gerne weitergeben.“
Darauf dürfen wir alle miteinander mächtig gespannt sein. Lampis bleibt selbstverständlich „am Ball“, da in dieser Hinsicht von dem verbandskonformen Mitläufer, Ja-Sager und Abnicker, der sich Seniorensprecher nennt, nullkommanix zu erwarten ist. Der mutmaßliche „Götterbote“ mit dem verpflichtenden Namen Hermes hat keinerlei Gespür für die Anliegen der Aktiven. Und das hat nun wahrlich hohe Wellen geschlagen, wie ihm kaum entgangen sein dürfte.

Tolles Melderesultat für die Offenen NRW-Hallenmeisterschaften

(Duisburg/Düsseldorf/Krefeld, 07. Januar 2015) Sehnsüchtig von vielen potenziellen Teilnehmern/innen und Kiebitzen erwartet, sind seit gestern Mittag die Meldelisten nach Vereinen und Disziplinen für die Offenen Westdeutschen Hallenmeisterschaften der Ü-30-Generation am kommenden Sonntag im Arena-Sportpark in Düsseldorf online. „Diesmal ging es leider nicht früher“, merkte Wettkampf-Referentin Petra Bous (im Bild) vom federführenden Leichtathletik-Verband Nordrhein (LVN) in Duisburg mit dem Ausdruck des Bedauerns an. Die Verspätung des sonst zeitnah nach dem Meldeschluss agierenden LVN war den Umstand geschuldet, dass es technische Probleme mit dem neuen elektronischen Meldeverfahren gab. Den Rest besorgte die Weihnachts- und Neujahrspause der Geschäftsstelle.
Die von uns exklusiv am 19. Dezember 2014 in dieser Rubrik veröffentlichten (vorläufigen) Meldezahlen mit 500 Senioren/innen aus 166 Vereinen bei 924 Starts haben sich eingedenk der erforderlichen manuellen Nachbesserungen marginal auf 541 (+ 45 nur in Staffeln), 181 und 963 erhöht. Ein vortreffliches Gesamtergebnis. Dabei ist noch zu berücksichtigen, dass abermals keine Winterwurf-Wettbewerbe mit Diskus, Speer und Hammer im Programm sind. Diese Titelkämpfe werden wie im Vorjahr Mitte November in Leichlingen bei Leverkusen stattfinden.
Eine kleine Vorschau auf die Konkurrenzen im Kugelstoßen erscheint in den nächsten Tagen. Nur schon mal vorab: die meisten Startwilligen, zwölf an der Zahl, lockte die M70 an. Das ist ein Achtel der insgesamt 21 Klassen.