Trotz grassierender Grippewelle lag die Ausfallquote unter zehn Prozent

(Erfurt/Krefeld, 07. März 2015) Lassen wir das breit aufliegende Sportlerherz der vielen Freunde der Statistik noch ein wenig höher schlagen. Zumindest herunter gebrochen auf die vier Wurfdisziplinen bei den Deutschen Senioren-Hallen- und Winterwurf-Meisterschaften vergangenes Wochenende in und an der Steigerwald-Arena in Erfurt. Die leichte verspätete Auswertung ist durch die Tagesaktualität bedingt. Die gute Nachricht vorweg: Es ist um das Immunsystem der gemeinhin in dieser Hinsicht anfälligeren älteren Leistungssportler bestens bestellt. Die allerorten in unserer Republik grassierende Grippewelle vermochte den „Oldies but Goldies“ ab 35 Jahre herzlich wenig anzuhaben. Im Gegenteil: seit wir diese Erhebung durchführen hat die lineare Ausfallquote mit 9,85 Prozent noch nie so niedrig gelegen. Erstmals überhaupt schnitten die Männer mit 9,54 zu 10,23 vom Hundert gegenüber den Frauen besser ab. Ganz erstaunlich, dass in der M80 alle 19 Gemeldeten auch antraten. Das war auch in der W60 (28) und W65 (19) zu verzeichnen.
Positiv formuliert hatte der Hammerwurf der Senioren (61 von 64) die mit 95,31 höchste und der Speerwurf (56 von 67) mit 83,58 % die niedrigste Teilnahmequote. Bei den fortgeschrittenen Mädels war es der Diskuswurf (52 von 55) mit 94,55 und der Hammerwurf (43 von 50) mit 86 Prozent. Müßig, daraus irgendwelche Rückschlüsse ziehen zu wollen. Die quantitativ meist besetzten Wettbewerbe gab es in Summe (40) und weitem Abstand (15) in der M55. Den Vogel schoss hier der Diskuswurf (12) knapp vor dem Kugelstoßen (11) ab. Die W50 (32) lag relativ dicht gefolgt von der W60 (28) vorn.
Bleibt weiterhin zu konstatieren, dass die Ergebnis-Software von Seltec falsche Zahlen ausspuckt. Aktive ohne gültigen Versuch sind in der genannten Teilnehmerzahl nicht enthalten, dafür werden abgemeldete und nicht angetretene Athleten mitgezählt. Die automatische gelieferte Gesamtstatistik kann allenfalls zufällig richtig sein, wenn sich die Abweichungen gegeneinander aufheben. Sehr unwahrscheinlich. Genau so, als dass es irgendwann entsprechend stimmig programmiert wird. Weiterhin angenehme Ruh'!
Ein weiterer, erst gestern Abend eingestellter Beitrag von der Hallen-EM vom Kugelstoßen der Männer und Frauen befindet sich im Fenster "Ergebnisse".

Hammerwerfer Edward "Ed" Burke vollendete sein 75. Lebensjahr

(Kalifornien/Krefeld, 07. März 2015) Ein ganz großer der Hammerwerfer-Zunft vollendete vergangenen Mittwoch sein 75. Lebensjahr: Edward Andrew Burke (im Bild), geboren am 04. März 1940 im kalifornischen Ukiah in den USA. Bei Nennung seiner beiden klassisch-schönen Vornamen aus dem englischen Hochadel würde er vermutlich nicht reagieren. Er ist sich selber und der großen weiten Leichtathletik-Welt unter dem Kürzel „Ed“ bekannt. Mit dem Wort Legende sollte sorgsam umgegangen werden. Aber er ist eine. Nicht von ungefähr gehört er der us-amerikanischen „Hall of Fame“ an, der Ruhmeshalle des Sports. Gerade mal 24-Jährig wurde er bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio (Japan) Siebenter. Vier Jahre später qualifizierte er sich für die OS in Mexiko City, erreichte allerdings nicht das Finale. Danach trat seine Karriere unter den symbolträchtigen fünf Ringen und dem olympischen Feuer in eine lange Pause, ehe sie 1984 bei den Sommerspielen in Los Angeles, also seiner kalifornischen Heimat, mit bereits strammen 44 Jahren noch einmal aufflackerte und er mit der Jugend der Welt auflief. Rein sportlich gesehen sicherlich nicht sein größter Erfolg, jedoch ideell und von der Ehre. Denn Ed durfte die us-amerikanische Flagge beim Einmarsch der Nationen unter dem Jubel von 85.000 Menschen ins „Memorial Coliseum“, dem Olympiastadion (auch schon von 1932), tragen. Mehr geht für einen Sportler der USA nicht.
Aber nicht nur da, schon der M40 angehörend, blieb Burke den Masters treu. Er startete erfolgreich bei Senioren-Weltmeisterschaften und stellte etliche Altersklassen-Weltrekorde auf. Aktuell hält er mit 59,04 Meter den in der M70.  Allerdings gibt es auch einen schwarzen Fleck in seiner Vita. Der – körperlich betrachtet – deutsche Winzling Hermann Albrecht (*1940) aus Sattelforf bezwang den US-Giganten bei den Hallen- und Winterwurf-Weltmeisterschaften Anfang April 2012 im mittelfinnischen Jyväskylä in einem denkwürdigen Duell der M70 in einer Zentimeter-Entscheidung mit 51,25 zu 51,24m. Der ganz normale Wahnsinn! Und der Chronist dieser Zeilen hat es live vor Ort gesehen und war gleich hinter den beiden für die Ehrung im Kugelstoßen der M65 an der Reihe.
Es gibt aber noch eine Beziehung von Burke zu "Good old Germany". Er ist seit Jahrzehnten mit Hammerwerfer Lutz Caspers (*1943) befreundet, die sich aus vielen internationalen Wettkämpfen aus ihrer Blütezeit kennen und sich jeweils auf ein Wiedersehen bei Senioren-Weltmeisterschaften freuen. Vielleicht das nächste Mal bei der WM im Sommer in Lyon. Da könnten sie sich sportlich sogar wegen unterschiedlicher Altersklassen aus dem Wege gehen. Nur mit Albrecht hätte es der fortgeschrittene US-Boy wieder zu tun.   

Keine Livebilder von Hallen-EM im TV - Storl hakte mit 21,23 m "Quali" ab

(Prag/Krefeld, 05. März 2015) Stelle dir vor, es ist Leichtathletik und k(aum)einer bekommt es mit. Das hatten wir gerade erst bei den Deutschen Hallen-Meisterschaften der Männer/Frauen in Karlsruhe. Insofern kann ich den dazu gehörigen Text auch nicht neu erfinden. Die Öffentlich-Rechtlichen mit ihrem vermeintlichen Sendeauftrag klinken sich bei derlei Ereignissen schon lange aus. Selbst der leichtathletikaffine Spartensender EUROSPORT glänzte durch Abwesenheit. Wie sich die nicht zu sehenden Bilder gleichen. Ebenfalls Fehlanzeige auf allen Kanälen bei der heute um 16.30 Uhr begonnenen Hallen-EM in der Goldenen Stadt Prag (Tschechien). Wintersport, die telegene Biathlon-WM im finnischen Kontiolahti, fordert ihren Tribut. Von dort Live auf Sendung Reporter-Ikone Sigi Heinrich von EUROSPORT und das ZDF. Soviel zum Stellenwert der Leichtathletik im Allgemeinen und hier zu Lande im Besonderen.
Spät, sehr spät kam der DLV um 15.25 Uhr via E-Mail mit seinem so genannten Medienservice um die Ecke, dass die European Athletics Association (EAA) an allen Tagen im Internet per Livestream überträgt. Zwar in englischer Sprache. Aber das muss kein Nachteil sein, wie wir spätestens seit der Hallen-DM wissen. Das war von wenig Fachkenntnis getrübt und mehr so zum Ton abschalten, was es da auf die Ohren gab.
Heute stehen/standen mit Kugelstoßen der Frauen (16.30 Uhr), Weitsprung der Männer (17 Uhr) und Kugelstoßen der Männer (18 Uhr), mit dem DLV-Kapitän und Favoriten David Storl, drei Qualifikationen auf dem Programm. "Storli" machte gleich im ersten Versuch mit 21,23 Meter alles klar und konnte seine Siebensachen wieder zusammenpacken.
Morgen geht es um 9.45 Uhr weiter. EUROSPORT sendet zu nachtschlafender Zeit von 23.30 bis 0.30 Uhr eine Tageszusammenfassung.

Ehrenpräsident Dieter Massin vom Oberbürgermeister zur EM eingeladen

(Torun/Ahlen/Krefeld, 06. März 2015) Glücklicherweise gibt es viele nette Kiebitze, die uns gelegentlich etwas zuzwitschern. Anders wäre unsere bisweilen investigative Exklusivberichterstattung überhaupt nicht möglich. Diese Meldung fällt nicht in diese Kategorie, ist nicht brisant, dafür aber durchaus pikant. Gewissermaßen delikat nach Schweizer Art. Angelehnt an die Briefkastenadresse der European Masters Athletics (EMA) in Lausanne am Genfer See. Wiewohl der Briefkasten, den wir jetzt meinen, an einem Haus in Ahlen in Westfalen steht oder hängt und dem EVAA-/EMA-Ehrenpräsidenten Dieter Massin gehört. Dem immer noch sehr umtriebigen 74-jährigen „Hans Dampf in allen Gassen“ flatterte Post aus dem polnischen Torun ins Haus, der Geburtsstadt von Nikolaus Kopernikus (1473 – 1543). Da hieß sie allerdings noch Thorn und gehörte unter Verwaltung eines deutschen Ordens zu Pommern, hatte noch keine 203.150 Einwohner wie heutzutage. Kurzum: Oberbürgermeister Michal Zaleski lud Massin als seinen ganz persönlichen Ehrengast zu den 10. Hallen- und Winterwurf-Europameisterschaften vom 23. bis 28. März 2015 ein. Damit löste er sein gesprochenes Wort ein, das er dem damals noch amtierendden „Präses“ im Sommer 2012 bei der Vertragsunterzeichnung für die Vergabe der Titelkämpfe in die ehemalige Hansestadt gegeben hatte.
Was soll daran pikant sein? Ganz einfach: Der „Große Massa“ Massin wird selbstverständlich auch dem offiziellem Empfang für die Honoratioren der EMA und den Spitzen der Delegationen aus 39 europäischen Ländern beiwohnen. Und das ist nicht ohne eine gewisse Delikatesse. Denn da werden sich D.M., das war früher nicht nur für die Währung ein Mark(en)zeichen, und sein Amtsnachfolger Kurt Kaschke aus Freudenstadt im Schwarzwald ziemlich zwangsläufig im Ratssaal über den Weg laufen oder auf die Füße treten. Dieses kongeniale Duo galt dereinst als Vorläufer für den gleichermaßen anrührenden wie heiter-humorvollen französischen Spielfilm „Ziemlich beste Freunde“ aus dem Jahre 2011. Übrigens nach einer wahren Begebenheit. Genauso wahr, dass Massin und Kaschke aktuell in tiefer Abneigung verbunden sind.
Dass diese Begegnung der dritten Art heiter werden könnte, darf füglich bezweifelt werden.

Deutschland oder Germany - 1,357 Milliarden Chinesen müssen rätseln

Glosse

Neben der Spur

 
(Mainz/Krefeld, 05. März 2015)
Momentan bin ich ein wenig verwirrt (was hoffentlich nicht meinen 80 Lenzen auf der Lebensuhr zuzuschreiben ist). Deshalb brauche ich dringend Hilfe…
Hilfe! Auf der DLV-Netzseite steht beim Anklicken von Service im dortigen Sprachenmix-Fenster Shop und Tickets doch tatsächlich und leicht nachprüfbar: „Sie sind Leichtathletik-Fan und wollen Ihre Stars hautnah erleben, oder gar die Kleidung der DLV-Mannschaft tragen? Dann sind Sie hier richtig. Sichern Sie sich jetzt über den leichtathletik.de Online-Shop die offizielle DLV-Mode der deutschen Leichtathletik-Mannschaft -  angefangen beim Rucksack, über T-Shirts bis hin zu den Trikots.“
Lese ich doch richtig: Kleidung der DLV-Mannschaft... offizielle DLV-Mode der DEUTSCHEN Leichtathletik-Mannschaft. Hmmm, meinen die hier die AthletenInnen, die einem Kader angehören, oder gibt es noch eine andere DLV-Mannschaft? Gehört Frau Jungmannn (Mann iss gut, besser wäre doch Jungfrau...) eigentlich zur Kader-Mannschaft? Wenn mich meine trüben Augen nicht trügen, dann sehe ich einen Adler auf ihrem rechten Busen, ähhh, ich meine natürlich auf der Trainingsjacke darüber. Und wenn ich dann bei den Kader-AthletenInnen forsche, dann sehe ich diesen Adler auch. Sind das eigentlich DEUTSCHE- oder GERMANY-Vögel?
Im Shop finde ich allerdings nix, was einen Adler hat. Dafür, welch eine Verirrung, eine weiße Baseballmütze mit schwarzer Aufschrift DEUTSCHLAND (darunter ist zur Bekräftigung sogar ein Haken). Darum geht es mir aber nicht. Ich will den König der Lüfte spazieren tragen. Vor allem beim Training. Die Nachbarn und Sportkameraden sollen schließlich sehen, dass ich einen Vogel, ähhh, Adler habe. Kann Herr und Frau Jedermann diese Kleidung jetzt kaufen, oder bekommen alle, die bei internationalen Veranstaltungen den DEUTSCHEN Leichtathletik-Verband nach der Regel 143.1 REPRÄSENTIEREN, geschenkt oder gesponsert?
Jedenfalls wird den SeniorenInnen-Käufern suggeriert, dass sie auch zur DEUTSCHEN Leichtathletik-Mannschaft gehören... Dazu gehörte dann natürlich auch nach der offiziellen DLV-Mode die Kleidung mit (Bundes-)ADLER, einem offiziellen Hoheitszeichen!  Oder bin ich jetzt schon so dement, dat ich dat alles nich mehr in meinen Kopp kriege?
Noch ein Vorschlag zur Güte in Sachen SENGIDA (= Senioren/innen gegen Internationalisierung der Altersklassentrikots). Mögen doch der DLV und sein amerikanischer Ausrüstungssponsor (wie heißt er doch noch gleich?) dem leuchtenden Beispiel der Eintragungen in deutschen Personalausweisen und Reisepässen folgen und alle Trikots wegen des reklamierten höheren Wiedererkennungswertes damit bedrucken. Dort steht ganz oben links in großer Fettschrift BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND, daneben viel kleiner
FEDERAL REPUBLIC OF GERMANY und REPUBLIQUE FEDERALE D’ALLEMAGNE. Das würde den 1,357 Milliarden Chinesen aus dem Reich der Mitte indes nicht wirklich weiterhelfen.
Aber allen kann es ohnehin nicht Recht gemacht werden.