Alwin J. Wagner derzeit als leibhaftiger Wanderpokal unterwegs

(Frankfurt/Melsungen/Krefeld, 24. Februar 2015) Als leibhaftiger Wanderpokal in Sachen Doping-Vergangenheitsbewältigung reist momentan der ehemalige Weltklasse-Diskuswerfer Alwin J. Wagner (im Bild) aus dem hessischen Melsungen bei Kassel durch die Lande (wir berichteten). Der 64-jährige Polizei-Hauptkommissar a.D. und Leichtathletik-Trainer seines Heimatvereines war gestern Abend in der Live-Sendung „Heimspiel“ des Hessischen Fernsehens in Frankfurt Studiogast. Dort wurde in zwei verschiedenen Blöcken zum Thema berichtet. Allerdings ist in der Mediathek nur der Beitrag  abrufbar, bei dem Moderator Tobias Kämmerer, die Sportrechtsexpertin Prof. Dr. Anne Jakob, Ex-Zehnkämpfer Frank Busemann und eben Wagner in kargen 3:49 Minuten sich am runden Tisch  letztlich viel zu oberflächlich über die Gesetzesvorlage zum Straftatbestand von Doping unterhalten konnten. Mehr zum ersten Block auf der Videotextseite 207 vom Hessischen Rundfunk (HR).
Einmal mehr bezeichnend, dass der DLV, der schließlich auch immer wieder genannt wird, sich auf seiner Netzseite zu all dem gründlich ausschweigt. Dabei können sie sich in Darmstadt nicht damit herausreden, sie wären nicht über alles im Bilde, was durch die verschiedenen Medien geistert. Denn deren beileibe nicht kleine PR-Abteilung hat einen so genannten Ausschnittdienst beauftragt, der ihnen jeden Schnipsel liefert, in dem irgendwo der DLV drin vorkommt. Womöglich sogar bei uns. Aber in Darmstadt hat es System, Blinde Kuh zu spielen, alles schön zu reden/schreiben und die nicht vorhandene heile (Leichtathletik-)Welt vorzugaukeln. Dazu fiele mir jetzt noch ein schöner Spruch ein. Den verwahre ich mir jedoch für einen Kommentar auf.

10. Hallen-EM mit 2.409 gemeldeten Athleten aus 44 Nationen

(Lausanne/Torun/Krefeld, 24. Februar 2015) Offenbar handelte es sich um eine äußerst schwere Geburt. Wie so ziemlich alles, was mit den 10.Hallen-Europameisterschaften mit Winterwurf der Ü-35-Generation vom 23. bis 28. März 2015 im polnischen Torun in Zusammenhang steht. Erst geschlagene drei Wochen nach Meldeschluss veröffentlichte die European Masters Athletics (EMA oder immer noch EVAA) mit Sitz in Lausanne (Schweiz) gestern auf ihrer Netzseite die Meldezahlen für diese unter keinem guten Stern stehenden Jubiläumstitelkämpfe. Danach haben 2.409 Athleten (1.765 Männer, 644 Frauen) aus 39 kontinentalen und fünf außereuropäischen (!) Nationen (Argentinien, Australien, Chile, Kanada, USA) ihre Nennungen abgegeben. Aus dem genannten Quintett ist es buchstäblich nur eine Handvoll. Aber es hätte doch etwas, wenn ein Südamerikaner tatsächlich Europameister würde. Gewissermaßen reif fürs Kuriositätenkabinett. Nebenbei bemerkt darf das Lokale Organisationskomitee (LOC) nach den immer noch geltenden Statuten der EVAA keine Meldungen von Aktiven annehmen, deren Land nicht der EMA/EVAA angehört. Aber das haben wir schon bei früherer Gelegenheit thematisiert. Kann dennoch nicht schaden, den EMA-Präsidenten Kurt Kaschke aus Freudenstadt im Schwarzwald daran zu erinnern. Wie an die immer noch ausstehende Antwort, ob Teilnehmern wahrhaftig eine Disqualifikation droht, wenn sie nicht im aktuellen Leibchen ihres nationalen Verbandes aufschlagen? Bevor es noch irgendwo im Schnee an seinem Haushang am „Kniebis“ (das ist ein 960 Meter hoher Bergrücken) stecken bleibt.

Alwin J. Wagner als Zeitzeuge bei Doping-Aufklärung ein gefragter Mann

Kolumne

Das Wort am Sonntag

(Stuttgart/Melsungen/Krefeld, 22. Februar 2015)
Es ist unter Insidern schon lange kein gut gehütetes Geheimnis mehr, dass in der „Blütezeit“ des Dopings und noch keiner großflächigen Wettkampfkontrollen, von solchen daheim im stillen (Folter-)Kämmerlein ganz zu schweigen, während der siebziger- und achtziger Jahre in der alten Bundesrepublik nicht nur weiße Schafe unterwegs waren. Da wurde von Trainern und Medizinern (!) sanktioniert bei (Leicht-)Athleten geschluckt und gespritzt, was die Schwarte hergab. Kreuze auf Friedhöfen pflasterten ihren Weg. Birgit Dressel, Ralf Reichenbach und Uwe Beyer, um nur einige prominente Opfer zu nennen. Obwohl wir gründlichen Deutschen ungekrönte Weltmeister der Vergangenheitsbewältigung und –aufarbeitung aller Art sind, versickerte eine groß angelegte, mehrere hundert Seiten starke diesbezügliche Studie des Sportausschusses des Bundestages aus dem Vorjahr im Sande. Eine paar Auszüge in den Medien – das war’s. Gewissermaßen wie im richtigen Leben, wo mit schnellem Verfallsdatum Themen aufflackern. Gerade so, als würde es HIV, Rinderseuche, Vogelpest, Ebola und sonstige Geißeln der Menschheit nicht mehr geben. Leider ein fataler Trugschluss.

Sp(r)itzenathleten pilgerten nach Freiburg


Doch zurück zu unserer eigentlichen Baustelle. So bleibt es weitestgehend der Findig- und Hartnäckigkeit sowie Ausgrabungskunst von Journalisten vorbehalten, Missstände der Vergangenheit aufzudecken und in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu transportieren. Aktuell machte sich ein Autoren-Team des SWR-Fernsehens aus Stuttgart in der Sache verdient. Diesmal mit etwas anderem Ansatz als sonst üblich. Es geht vordergründig nicht um die Dopingsünder, die gleichwohl als Zeitzeugen gefragt sind und befragt werden, sondern um das System dahinter. Eine besonders unselige Rolle spielte dabei der schon lange nicht mehr in Freiburg praktizierende und heutzutage im fernen Südafrika lebende Prof. Dr. Armin Klümper.
Besagte „Blütezeit“ habe ich als Modell des Jahrganges 1944, Spätlese Anfang Dezember, logischerweise hautnah miterlebt, ohne sie indes als Kugelstoßer der zweiten Reihe mitzumachen. Als Indiz dafür mag meine 1976 mit einem Körpergewicht von 96 Kilogramm erzielte Lebensbestleistung von 16,90 Meter herhalten. Zwei bis drei Meter mehr hätte ich mir indes mit den „weißen Kotletts“ des damals gebräuchlichen Diana-bols (bezeichnend, dass die Glücksgöttin der Jagd zur Namensgebung herhalten musste) schon noch anfressen können. Als junger, allein ernährender Ehemann und Vater standen rein finanzielle Gründe dagegen. Von Ethik und Fair play keine Spur. Schließlich machten es (fast) alle anderen auch. Wer wüsste dies besser als ich, der Winter für Winter von „kurenden Hinterbänklern“ links und rechts überholt wurde. Allerdings wäre ich bei meiner durchaus soliden Grundbasis für einen lupenreinen, drei- bis viermal die Woche trainierenden Amateur nie in den „Genuss“ gekommen, mir meine Depotspritze für die wettkampfreie Zeit bei Klümper abzuholen. Freilich kenne ich die Sprüche über für eine paar Tage abwesende Sp(r)itzenathleten. „Der ,Soundso' (Namen in Wirklichkeit bekannt, der Verfasser) ist gerade in Freiburg zum Abschmierdienst.“

SWR-Fernsehen legt heute Abend nach

Der ehemalige Weltklasse-Diskuswerfer Alwin J. Wagner (*1950) aus Melsungen bei Kassel, mit dem ich als Gründungsmitglied der Leichathletik-Bundesliga im Jahre 1975, er für den USC Mainz, ich als „Playing Captain“ für den FC Bayer 05 Uerdingen, in erhalten gebliebener Sportfreundschaft verbunden bin, ist dieser Tage als Zeitzeuge gefragt. Vergangenen Freitag gegen 18 Uhr war er während der Übertragung der ARD von der Nordic-WM in Falun (Schweden)  zwischen dem Skisprung-Finale der Frauen und der Qualifikation der Männer in einem Beitrag des SWR zu sehen und hören. Und heute Abend (22.05 Uhr) ist Alwin Studiogast der SWR-Sendung „Sport“. Nicht verpassen, wenn der heutige vehemente Anti-Doping-Kämpfer, der an Schulen, Sportvereinen und sonstigen Einrichtungen mit Jugendlichen Vorträge hält, aus dem Nähkästchen plaudert.
In diesem Sinne noch einen schönen Sonntag und sofern aktiv im Einsatz eine gedeihliche Vorbereitung auf die Deutschen Hallen- und Winterwurf-Meisterschaften der Ü-35-Generation am kommenden Wochenende in der thüringenschen Landeshauptstadt Erfurt!

Doping: Nicht alle konnten live sehen, was wir angekündigt hatten

(Stuttgart/Krefeld, 23. Februar 2015) Möglicherweise haben wir gestern mit unserer Ankündigung des Auftritts vom ehemaligen Weltklasse-Diskuswerfer Alwin J. Wagner aus Melsungen als Studiogast in der Sendung „Sport im Dritten“ (22.05 Uhr) im SWR-Fernsehen unbeabsichtigt einige in die Wüste geschickt. Dieses dritte Programm der ARD-Kette strahlt in seinem rechten großen Verbreitungsgebiet Baden-Württemberg mit Ausläufern nach Rheinland-Pfalz zur gleichen Zeit regional verschiedene Formate aus. Wer geografisch gesehen am „falschen“ Ort wohnt, wozu ich auch gehöre, dem flimmerte stattdessen „Flutlicht“ mit der ehemaligen Weitspringerin Heike Drechsler unter den Gästen in die gute Stube. Vermutlich aus dem Landesstudio Baden-Baden. Alwin gab jedoch in besagter Sendung  Moderator Michael Antwerpes in Stuttgart Rede und Antwort. Mit einem Einspieler auf das Doping-Thema um die Praktiken des vermeintlichen Medizin-Gurus Prof. Dr. Armin Klümper (damals Freiburg) dauert der Beitrag 16:04 Minuten, den wir in der SWR-Mediathek aufgestöbert und hier verlinkt haben. In unserer gestrigen Kolumne ist ein vorher mit Wagner in der gleichen Sache geführtes Interview von 19:47 Minuten Länge per Link abrufbar.

Kugelstoßer David Storl meldete sich mit EJBL eindrucksvoll zurück

(Karlsruhe/Krefeld, 21. Februar 2015) Fastenzeit! Das gilt auch für den Livestream auf der Netzseite des DLV. Da hatten wir ein wenig vorschnell eine semi-professionelle Berichterstattung von den Deutschen Hallen-Meisterschaften in Karlsruhe angepriesen. Es sollte sich als Sauerbier herausstellen. Da gab es ordentlich was auf die Augen und Ohren. Allerdings in weit überwiegend negativem Sinne. Eine wilde Kameraführung, ein schwachmatischer Reporter, eine vom Fernsehen übernommene Bildregie, bei parallel laufenden Wettbewerben ungeachtet der Wichtigkeit von Vorläufen und Entscheidungen die Rangfolge Lauf, vor Sprung und Wurf zu wählen – einfach nur grauselig. Prädikat: Dringend von abzuraten und die gewonnene Zeit sinnvoller zu nutzen!
Wenigstens boten die Kugelstoßer keine Schmalkost. Allen voran natürlich der Neu-Leipziger David Storl. Der 24-jährige Doppel-Weltmeister meldete sich nach einer Knie-Operation und langer Reha eindrucksvoll zurück. Dass der Schützling von Heim- und Bundestrainer Sven Lang Chef im Ring sein würde, daran gab es schon vorher keine Zweifel. Denn das Risiko einer Niederlage auf nationalem Parkett wäre er nie und nimmer eingegangen. Und so degradierte er „The Best of the Rest“ tatsächlich zu Statisten. Beginnend mit 20,29m erzielte „Storli“ in einer Art Steigerungslauf  im letzten Versuch mit 21,26 Meter sogar europäische Jahresbestleistung (EJBL). Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich über diesen Wunderknaben der internationalen Kugelstoß-Szene. Wie schon erwähnt, ist der junge Mann noch keine 25…
Nur gut und dramaturgisch richtig gewählt, dass die durchweg schwergewichtigen Frauen vorlegen durften. Ihr erwartungsgemäß auf mäßigem Niveau stehender Wettbewerb wäre hinter der Storl-Gala zu noch größerer Bedeutungslosigkeit verkümmert. Immerhin schafften mit der „drehenden“ Überraschungssiegerin Lena Urbaniak von der LG Filstal mit einem Glücksstoß von 17,79m und Denise Hinrichs (17,76m) vom TV Wattenscheid zwei so gerade die nicht sehr üppige EM-Norm (17,70m). Schwamm drüber! Den Rest gibt die Ergebnisliste her.