Wendy Koolhaas steigerte den Weltrekord im Wurf-Fünfkampf der W40

(Alzey/Hilversum/Krefeld, 12. August 2020) Wenden wir uns nach „großem Sport“ bei der zumindest von der Sonne her strahlenden Leuchtturm-DM der Männer/Frauen, wohin – letztlich mitleidig – die gesamte Leichtathletik-Welt geblickt haben soll, wieder unseren eigentlichen Mission und Profession zu: Den vom DLV mit der größtmöglichen Geringschätzung behandelten Senioren/innen. Momentan finden bevorzugt und nicht von ungefähr Wurf-Fünfkampf-Veranstaltungen statt, was der Ü35-Generation auf Meisterschaftsebene in dieser späten Saison aus unerfindlichen Gründen vom Dachverband verweigert wird. Wobei wir zwangsläufig nicht alles beleuchten können. Den im Vorfeld erwähnten schon. Eine Woche nach Mutterstadt lud Werfer-Urgestein Lutz Caspers ins Wartbergstadion nach Alzey (Rheinhessen) ein.

Ein „Meisjes“-Trio mit herausragenden Resultaten

Allerdings richten wir unser Augenmerk aus gegebenem Anlass zunächst zu unseren westlichen Nachbarn, den niederländischen Sportfreunden. Dieser Vielseitigkeitswettbewerb hat bei ihnen einen noch viel höheren Stellenwert und eine größere Tradition. Denn Jan Smit (*1931) vom PSV Eindhoven war es, der ihn in den 1990iger Jahren bei einem längeren beruflich veranlassten USA-Aufenthalt nach Europa importierte und hoffähig machte. Mit je zwölf Masters männlich wie weiblich bestritten sie vorigen Sonntag in Hilversum die dort „Werp 5 Kamp“ genannte Konkurrenz. Da  sorgten vor allem drei mehr oder weniger fortgeschrittene Meisjes für Furore.

All-Star-Wertung ging mit 5.250 Punkten an Tiny Hellendorn

Die landestypische klassenübergreifende All-Star-Wertung entschied Tiny Hellendorn (W65) mit famosen 5.250 Punkten vor der amtierenden niederländischen Hammerwurf-Meisterin der Frauen, Wendy Koolhaas (W40/4.867 P.), und Conny Mik (W55/4.548 P.) für sich. Was diese Reihenfolge kaschieren könnte, haben wir einer näheren Betrachtung unterzogen. Und das hat sich tatsächlich gelohnt. Die zweitplatzierte Kohlhaas (im Bild) stellte mit fünf tollen Einzelleistungen (siehe Ergebnisliste) einen neuen Weltrekord in der W40 auf. Die bereits 17 Jahre alte Bestmarke der US-Amerikanerin Oneitha Lewis verbesserte sie in einer Art Punktlandung um 26 Zähler. Da wir gerade schon bei den Superlativen sind: Conny Mik verfehlte den W55-Weltrekord der in Oberbayern lebenden und mit Klaus Volkheimer verheirateten Belgierin Margaretha Tomanek vom Oktober 2005 in Bogen lediglich um 33 Punkte. Die „Schnapszahl“ ließ sich beim Nachkarten vermutlich überall finden.

Hermann Albrecht beließ es bei seiner Paradedisziplin Hammerwurf  

Obschon es im Rheinhessischen der Hitze geschuldet einige Absagen gab, beendeten schlussendlich elf Senioren und sieben Seniorinnen das fünfteilige Werk. Davon als quantitativ stärkste Klassen fünf in der M70 und drei in der W50. Der frischgebackene M80-Weltrekordler im Hammerwurf (50,69m) und Fünfkampf (5.317 Punkte), Hermann Albrecht (*1940) von der Spvvg. Satteldorf, beließ es bei einer Solovorstellung in seiner Paradedisziplin. Der mit 70 Kilo Ultra-Leichtgewichtler der Szene erzielte mit 47,20m die insgesamt gesehen größte Weite.

Allein Kristina Telge knackte knapp die 4.000-Punkte-Grenze

Lediglich Kristina Telge (*1970/W50) vom gastgebenden Klub übertraf um drei Zähler die national begehrte 4.000-Punkte-Grenze. Das waren exakt 100 Punkte weniger als eine Woche zuvor in Mutterstadt bei ähnlich knackigen äußeren Bedingungen. Der auf 4.000er geradezu abonnierte Klaus Kynast (*1949/M70) vom ASC Dortmund musste sich diesmal mit 3.912 Punkten begnügen. Entscheidend hierfür war ein für seine Möglichkeiten unterbelichteter Hammerwurf von 38,88m. Eine Altersetage höher sammelte Waldemar Wörner (*1945) vom TuS Sohren 3.745 Punkte.
Knapp ging es in der M80 zu, wo Manfred Schneider (*1940) von Eintracht Wiesbaden mit 3.679 Punkten lediglich 26 Zähler Vorsprung auf den drei Jahre älteren Heinz Janson vom TV Groß-Gerau hatte. Noch erwähnenswert das Resultat von Ellen Weller (*1966) von der MTG Mannheim als Zweite der W50 mit 3.744 Punkten.